Manuskript

Romane schreiben mit NaNoWriMo – Teil 2

Im ersten Blogbeitrag habe ich geschildert, wie man an einem Wochenende einen Roman planen kann.

Wenn dann der 01. November da ist: Schreiben!

Das Ziel bei NaNoWriMo sind 50.000 Worte in 30 Tagen. Also 1.667 Worte pro Kalendertag. Wenn man einen Puffer haben will, sollte man 2.000 – 2.500 Worte pro Tag anpeilen. Das sind 8-10 Normseiten (6-8 Druckseiten) und damit genug für ein kurzes Kapitel.

Deshalb meine Empfehlung: Jeden Tag ein ganzes Kapitel schreiben. Das sind nach der von mir vorgeschlagenen Methode 24 Kapitel. Wenn diese im Schnitt eine Länge von 2.100 Worten haben, ist das NaNoWriMo-Ziel bereits erreicht! Das Schreiben langer Kapitel kann man auf zwei Tage verteilen. Man kann sie aber auch, wenn die Handlung es zulässt, in zwei kürzere Kapitel aufteilen.

Wie schreibt man ein Kapitel?

Hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Man nehme ein handliches Notizbuch oder (billiger) ein Vokabelheft.

    Planung eines Kapitels (c) M.E. Rehor
    Planung eines Kapitels (c) M.E. Rehor
  2. Jedes Kapitel bekommt eine Doppelseite. Man teilt die linke Seite auf in drei Teile: Ende / Inhalt / Anfang. Wobei „Inhalt“ den größten Platz bekommt. (Die  Abbildung stammt aus meinem Notizbuch zu PERSEUS Wolkental.)
  3. Jeden Tag liest man sich in der Kapitelübersicht (siehe den ersten Blogbeitrag) die Beschreibung zum aktuellen Kapitel durch und überlegt, welche Szene am Ende des Kapitels stehen soll. Ein möglichst spannendes Ende, das beim Leser Fragen offen lässt, ist wichtig.
    Als Nächstes überlegt man, mit welchen Handlungsschritten man dahin gelangt.
    Zum Schluss erst macht man sich Gedanken darüber, was für eine Szene am Anfang des Kapitels stehen könnte.
    Alle Ideen trägt man mit Bleistift auf der Notizbuchseite des jeweiligen Kapitels unter den Punkten Ende / Inhalt / Anfang ein. Diese Arbeit sollte man nicht im Voraus erledigen, sondern wirklich erst dann, wenn man mit dem Schreiben des Kapitels anfängt. Das bringt die Fantasie in Schwung.

    Skizze zu einem Kapitel von PERSEUS Wolkental
    Skizze zu einem Kapitel von PERSEUS Wolkental (c) M.E. Rehor
  4. Die noch leere rechte Seite im Notizbuch dient als Speicher für neue Ideen, Skizzen und Hinweise zu diesem oder anderen Kapiteln.
  5. Dann schreibt man so schnell wie möglich – d. h. ohne Unterbrechung – das Kapitel herunter. Ideal ist es, wenn man wirklich von der Überschrift bis zum Ende durchhält. Dann hat man ein abgeschlossenes Ganzes vor sich, wenn man aufhört. Das ist ein sehr befriedigendes und motivierendes Gefühl.
    Die meisten Textverarbeitungen bieten Wortzählung an, so dass man während des Schreibens sehen kann, wie weit man ist. 2.500 Wort sind ein gutes Tagesziel, das man aber durchaus auch mal verfehlen darf. Die Kapitel müssen nicht exakt gleichlang sein.
  6. Wichtig: nicht während des Schreibens im Text zurückgehen und Fehler korrigieren. Auch nicht frühere Kapitel ändern, weil sie nicht mehr zu den Ideen für das aktuelle Kapitel passen. Für solche Dinge ist die rechte Seite im Notizheft da. Man kritzelt einen kurzen Hinweis hinein und tippt weiter.
  7. Wer will (und sich dadurch nicht zu sehr ablenken lässt) kann die letzten Seiten hinten im Notizbuch als Charakterfragebögen nutzen. Oben auf eine Seite schreibt man den Namen einer Figur. Während man am Kapitel arbeitet, notiert man darunter kurz, welche äußeren und inneren Merkmale (Augenfarbe, Kleidung, Charakterzüge) man im Text erwähnt. Wenn man aber feststellt, dass einen das aus dem Schreiben herausreißt, dann sollte man es bleibenlassen. Solche Details kann man auch später, während der ersten Überarbeitung, sammeln und abgleichen.
    (Während der Planung des Romans habe ich zwar ein Bild der Figur im Kopf, ebenso einen Namen. Aber beides ändert sich während des Schreibens, deshalb lege ich mich zu dem Zeitpunkt noch nicht fest.)
  8. Tipp: Irgendwann kommt man unweigerlich an den Punkt, an dem man die eigene Geschichte für völligen Quatsch hält und die eigene Schreibe für so jämmerlich schlecht, dass man genauso gut gleich aufhören könnte. Dieses Gefühl gehört zum Schreiben dazu, fast jeder Autor kennt es. Einfach weitermachen!

Wer bis zum 30. November mindestens 50.000 Worte geschrieben hat, ist NaNoWriMo-Gewinner.

Achtung: Sollte der Roman dann noch nicht abgeschlossen sein, unbedingt täglich weiter daran arbeiten! Jeder Tag, den man aufs Schreiben verzichtet, birgt das Risiko, dass man das Manuskript nie beenden wird. Es muss hunderttausende unvollendeter Romane in aller Welt geben, die während NaNoWriMo entstanden sind und denen nur noch die letzten paar Dutzend Seiten fehlen.

Aber wenn erst einmal das Wort ENDE unter dem Manuskript steht, dann ist das ein Grund zum Feiern! Mit einem kleinen Geschenk für sich selbst, zum Beispiel. Weihnachten steht ja vor der Tür; vielleicht ist das Weihnachtsgeld schon auf dem Konto, da kann man sich etwas gönnen. Spätestens im neuen Jahr nimmt man sich das Manuskript wieder vor, um es zu überarbeiten.

Aber das ist ein anderes Thema, davon ein andermal mehr.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei NaNoWriMo und würde mich freuen, wenn ihr mir am 30. November eine kurze Nachricht schickt. Habt ihr die 50.000 Worte geschafft und vielleicht sogar schon das wichtigste von ihnen geschrieben? Das letzte Wort eines Manuskripts nämlich: ENDE

Überarbeiten eines Manuskripts

Stilanalyse mit Papyrus
Überarbeitung mit Papyrus (eigener Screenshot)

Der Roman PERSEUS Kristallmagie erscheint kapitelweise bei wattpad.com. Diese Erscheinungsweise gibt mir die Möglichkeit, jedes Kapitel vor der Veröffentlichung noch einmal zu überarbeiten.

Zum Schreiben der ersten Fassung eines Romans nutze ich Scrivener (siehe früheren Blogbeitrag). Für die Überarbeitung Papyrus Autor. Papyrus bietet neben der Duden-Rechtschreibkorrektur auch die Möglichkeit, eine Stilanalyse und eine Überprüfung der Lesbarkeit durchzuführen.

Lesbarkeit

Das obige Bild zeigt den Ausschnitt einer Seite des Manuskripts von PERSEUS Kristallmagie. Die Lesbarkeit des Textes wird durch die Hintergrundfarbe dargestellt. Rot bedeutet schwierige Textpassage, grün  bedeutet einfach zu lesende Textpassage. Die anderen Farben zeigen Zwischenwerte an.

Bei Science Fiction- und Fantasy-Romanen lassen sich rote Passagen nie ganz vermeiden, weil frei erfundene Begriffe und ungewöhnliche Wortbildungen erforderlich sind, um die vom Autor erdachte Welt zu beschreiben.

Außerdem bin ich persönlich der Meinung, dass man einem SF- oder Fantasy-Leser zutrauen kann, auch mal eine schwierige Textpassage zu lesen.

Stilanalyse

Die Stilanalyse ermöglicht es, die Arbeit eines Lektors teilweise von der Software erledigen zu lassen. Im Beispiel sind Wortwiederholungen (grün) und Füllwörter (rot) farbig unterstrichen.

Es ist Sache des Autors zu entscheiden, ob er diese Passagen ändert oder so belässt. Füllwörter können den Textfluss verbessern und gehören bei manchen Figuren eines Romans zu deren Sprachstil. Wortwiederholungen sind notwendig, um bestimmte Dinge als wichtig zu kennzeichnen. Außerdem lassen sie sich manchmal nur durch Umschreibungen vermeiden, die holperig oder störend sind.

Die Stilanalyse erlaubt es, noch viele andere Eigenschaften des Textes hervorzuheben, z.B. Passivkonstruktionen, Adjektive / Adverben und schwache Verben.

Ziel der Überarbeitung

Das Ziel der Überarbeitung ist jedoch – in meinem Fall – nicht der perfekte Text! Mit Hilfe der Stilanalyse und der Darstellung der Lesbarkeit kann man an einem Manuskript monate- und jahrelang feilen. Dadurch kann ein Text aber so glatt und simpel werden, dass zumindest mir die Lust am Lesen schnell vergeht.

Ich arbeite darauf hin, nicht allzu viele schwierige Passagen pro Kapitel zu haben und den Text flüssig lesbar zu machen. Die Entscheidung darüber, ob das genügt, trefft ihr, liebe Leser!